Astronomie


Astronomie

Astronomīe (grch.), Stern- oder Himmelskunde, die Wissenschaft von den Himmelskörpern [Tafel: Astronomie I u. II]. Die praktische A. umfaßt die Lehre von den astron. Instrumenten, die Beobachtungskunst und das astron. Rechnen. Die theoretische A. zerfällt in 1) sphärische A., welche die Erscheinungen betrachtet, wie sie an der scheinbaren Himmelskugel vor sich gehen; 2) theorische A., welche die wirklichen Bewegungen der Himmelskörper im Weltenraum verfolgt; 3) physische A. oder Mechanik des Himmels, welche die Kräfte untersucht, die diesen Bewegungen zugrunde liegen; 4) physikalische A., welche den Zustand (Form, Zusammensetzung) der Himmelskörper erforscht. (S. auch Astrophysik.)

In den chines. Annalen reichen astron. Beobachtungen bis 2697 v. Chr. zurück; ebenso finden sich sehr früh astron. Kenntnisse bei den Indern, Ägyptern und Chaldäern. Bei den Griechen reicht das astron. Wissen bis in das 7. Jahrh. v. Chr. zurück und nimmt bei ihnen mehr und mehr wissenschaftlichen Charakter an. Die Griechen stellten die ersten Messungen an, so Aristyll und Timocharis (Bestimmung von Fixsternörtern), Aristarch (Entfernung der Sonne und des Mondes, Bewegung der Erde um die Sonne), Eratosthenes (Schiefe der Ekliptik, Größe der Erde), Hipparchus (Berechnung von Sonnentafeln, Ungleichheiten des Mondlaufs, Bestimmung von Länge und Breite von mehr als 1000 Fixsternen mittels des Astrolabiums, Entdeckung der Präzession). Ptolemäus hat im »Almagest« das astron. Wissen der Alten zusammengefaßt. Von den Römern ist nur zu erwähnen, daß Cäsar durch den Alexandriner Sosigenes den Kalender verbessern ließ (Julian. Kalender). Im Mittelalter waren die Araber (Al-Batani) Pfleger der A. Von ihnen verbreitete sie sich zu den Persern, Mongolen, Tataren (Ulugh-Begh). Im christl. Abendlande ist König Alfons X. von Kastilien um die Mitte des 13. Jahrh. als Förderer der A. zu nennen. Das 14. Jahrh. ist völlig arm an astron. Leistungen infolge der Blüte der Astrologie. Erst im 15. Jahrh. wird im Abendlande die A. dauernd gepflegt: Nikolaus von Cusa (Erneuerung der Lehre von der Bewegung der Erde), Purbach (Prüfung der A. der Alten), dessen Schüler Regiomontanus (Gründung der ersten deutschen Sternwarte in Nürnberg); 16. Jahrh.: Kopernikus (Begründer der theorischen A. und des Systems, nach welchem die scheinbaren Bewegungen der Himmelskörper durch die Bewegung der Erde und der Planeten um die Sonne erklärt werden: »De revolutionibus orbium coelestium«, 1543), Tycho Brahe (gründliche Verbesserung der praktischen A., große Genauigkeit in Beobachtung und Messung), Papst Gregor XIII. (Verbesserung des Kalenders, 1582), Scaliger (erstes vollständiges System der Chronologie); 17. Jahrh.: Kepler (genaue Formulierung des Kopernikanischen Systems durch mathem. [Keplersche] Gesetze, Einführung des Fernrohrs in die A.), Galilei (wichtige Entdeckungen mit seinem selbsterbauten Fernrohr: Mondgebirge, Jupitertrabanten, Saturnringe). Weitere Entdeckungen mittels des Fernrohrs machten Fabricius und Scheiner (Sonnenflecken, gleichzeitig mit Galilei), Marius (Andromedanebel), Huyghens und Cassini (Saturnmonde), Hevel begründete die Mondtopographie (»Selenographia«, 1647). Neue Sternwarten bauten Cassini (1669 Paris), Flamsteed (1676 Greenwich). Newton stellte die Gravitationstheorie auf; 18. Jahrh.: Euler behandelte die Theorie der Störungen der Planetenbahnen und die Theorie der Mondbewegung, weitere theoretische Arbeiten lieferten Clairaut, d'Alembert, Lagrange, Laplace. Die praktische A. förderten Bradley (erster brauchbarer Fixsternkatalog, Aberration des Lichtes, Nutation der Erdachse), Halley (Eigenbewegung der Fixsterne, Bedeutung der Venusdurchgänge für die Bestimmung der Sonnenparallaxe), Chr. Mayer (Doppelsterne), Herschel (Entdeckung des Uranus, vieler Doppelsterne, Nebelflecke und Sternhaufen), Chladni (kosmische Natur der Sternschnuppen), Lambert (Photometrie der Himmelskörper); 19. Jahrh.: die theorische A. (Bahnbestimmungen, Störungen) fand weitere Ausbildung durch Gauß, Bessel, Airy, Encke, Leverrier, Oppolzer, Newcomb, Bruhns, Gyldén u.a. und feierte Triumphe in der Entdeckung des Neptun und des Siriusbegleiters. Schiaparelli wies den Zusammenhang der Sternschnuppen mit den Kometen nach. Die Beobachtungen gewannen an Genauigkeit sowohl durch die Methoden, als die Vervollkommnung der Instrumente. Begründer der heutigen Beobachtungskunst ist Bessel. Hierher gehört die Entdeckung der Planetoiden und mehrerer Trabanten von Planeten, sowie die genauere Kenntnis der Oberfläche von Sonne, Mond und Planeten. Neue Bahnen öffneten sich der praktischen A. durch die Spektralanalyse und die Photographie. Durch Anwendung der erstern gewann man neue Aufschlüsse über die Natur der Sonne, der Fixsterne, Kometen und Planeten, des Zodiakal- und des Nordlichtes. Die Anwendung der Photographie ermöglichte die getreue Abbildung der Himmelskörper sowie die Entdeckung neuer Objekte. Die messende A. ist durch die Photographie wesentlich unterstützt worden; in Verbindung mit der Spektralanalyse gibt sie uns Aufschluß über die Bewegung der Sterne in der Gesichtslinie. Die neueste Zeit brachte genauere Werte für die Eigenbewegung der Fixsterne, speziell der Sonne, für die Polhöhenschwankungen etc. – Vgl. Brünnow, »Sphärische A.« (4. Aufl. 1881); Laplace, »Mécanique céleste« (3. Aufl. 1878-81); Watson, »Theoreti cal astronomy« (1868); Tisserand, »Mécanique céleste« (1889 fg.); Wolf, »Handbuch der A.« (2 Bde., 1891-93); »Handwörterbuch der A.« von Valentiner (1895-1902); Schurig, »Himmelsatlas« (1886); Klein, »Sternatlas« (1888); Schweiger-Lerchenfeld, »Atlas der Himmelskunde« (1897); Ambronn, »Astron. Instrumentenkunde« (1899); Foerster, »Astrometrie« (1905 fg.); populäre Werke von Mädler, Littrow, Diesterweg, Klein, Newcomb, M. W. Meyer, Blochmann, Krisch u.a.


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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